Der Weg einer Entscheidung Teil 10

Celia wusste nicht was sie davon halten sollte. Über den Boden verliefen sich kreuzende Linien und auf einigen davon standen Personen in schwarzen oder weißen Anzügen. Sie alle sahen genau gleich aus, nur die Farbe unterschied sie. Celia selbst stand auf einem Balkon, so dass sie den tiefer gelegenen Saal gut einsehen konnte. Ihr gegenüber, also an der anderen Wand des nahezu quadratischen Raumes, befand sich ein ganz ähnlicher Balkon. Unterhalb des Balkons befand sich eine Tür, in der ein Mann im weißen Anzug stand. Scheinbar wartete er auf etwas, sein Blick war starr geradeaus gerichtet.
„Du bist an der Reihe!“ ertönte eine Stimme vom weißen Balkon herüber. Sie runzelte die Stirn: Mit was war sie an der Reihe?

„Wie lange willst du noch über deinen nächsten Spielzug nachdenken?“
Entgeistert starrte Celia auf den Boden hinab und erkannte erst allmählich, dass es sich um ein Spielfeld handelte.
Nein, nein!
Wie bitte kam sie hier her und warum schien sie mit einer anderen Person Go im Großformat zu spielen?!
„Was…? Ich… also…“
„Gibst du etwa auf?“ Die Stimme von der anderen Seite kam ihr nicht vertraut vor, doch ihre Art ähnelte irgendwie der Alans. In gewissem Sinne besserwisserisch, mit einer Spur Ungeduld und Rechthaberei.
„Wohin darf ich gehen?“ fragte da ein Herr in Schwarz der unter ihrem Balkon hervor trat. Celia blickte auf das Feld hinab und registrierte die Lage und Position von schwarz und weiß gekleideten Herren. Wenn sie sich doch nur an den letzten Zug ihres Gegners erinnern könnte, aber es war, als habe sie eben erst das Spiel von jemand anders übernommen. Sie konnte sich nicht erinnern, wie es dazu gekommen war, dass sich unten rechts die Ecke und oben einen Teil der Kante gesichert hatte. Genauso wusste sie nicht, was der schwarze Spieler mit diesem Stein in der Mitte und jenem dort links sowie dem anderen in der linken unteren Ecke vor gehabt hatte.
Doch warum spielte sie hier überhaupt ein Spiel? Wo war sie und wer war ihr Gegner?
„Nun, was ist?“ Fragte der weiße Spieler.
Hatten sie eine Zeitvorgabe? Celia biss sich nervös auf den Daumen und überlegte, was sie tun sollte. Sie könnte das Spiel verweigern, aber das käme einer Aufgabe gleich und das könnte sie in dieser Brettsituation kaum verantworten. Doch an einigen Stellen kam sie nicht dahinter, was Schwarz zu tun hatte.
„Es ist ja deine Zeit, aber langsam wird es mir etwas langweilig,“ kam es von der anderen Seite.
Folglich hatten sie eine Zeitvorgabe und Celia rannen die Sekunden unter den Händen weg. Wie gemein war das denn?
„Ganz ruhig Ceilia, ich weiß das du es kannst.“
Erschrocken fuhr sie herum. Manfred stand lächeln ein paar Schritte neben ihr und nickte ihr aufmunternd zu.
„Ich glaube du bist auf dem richtigen Weg, vertraue dir und deiner Entscheidung.“ meinte er noch, dann richtete er seinen Blick wieder auf das Spielfeld.
Warum war Manfred hier?
Eben war sie sich noch absolut sicher gewesen allein auf dem Balkon zu stehen.
Nun gut, dann würde sie eben spielen, auch wenn sie nicht wusste, was hier vor sich ging. Sie entschied sich für einen der freien Schnittpunkte und deutete darauf: „Geh bitte auf E7.“
Der schwarz gekleidete Mann unter ihr machte sich auf den Weg über das Brett und nahm die ihm angegebene Position ein. Dabei musste er um ein paar weiß gekleidete Herren herum gehen. Am entsprechenden Punkt angekommen klopfte er einem Schwarzen neben sich aufmunternd auf die Schulter. Dann grinste er einen weißen schräg gegenüber herausfordernd an, welcher daraufhin entrüstet die Arme vor der Brust verschränkte und zum weißen Balkon hinüber sah.

 

Fortsetzung folgt…

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