Der Weg einer Entscheidung Teil 11

„Ein guter Zug,“ lobte Manfred, den Blick weiter auf das Brett gerichtet.
Doch noch ehe Celia etwas entgegnen konnte kam auch schon die Reaktion der anderen Seite. Sie hatte die Angabe zwar verpasst, doch würde sie ja gleich sehen wohin der weiße Herr gehen würde. Dieser umrundete zwei schwarze Herren drückte unterwegs einem Weißen, der ziemlich in Bedrängnis geraten war den Arm und nahm schließlich seinen Platz auf D9 ein. Dort klopfte er seinem Nachbarn freudig auf die Schulter, der eben noch entrüstet auf den schwarzen Herren reagiert hatte. Damit verstärkte er dessen Position und beide lächelten die schwarzen Herren ihrerseits nun herausfordernd an.

Das Ganze erinnerte die junge Frau sehr an einen Film, in welchem zwei Gegner von ganz ähnlichen Balkonen aus Schach gespielt hatten. Es erfolgten noch vier weitere Spielzüge, dann konnte Celia zwei gegnerische Spielfiguren – also Männer – gefangen nehmen.
„Sehr gut!“ lobte Manfred und Celia konnte sich ein erfreutes Lächeln nicht verkneifen.
Dann jedoch war sie unvorsichtig und verlor oben und rechts eine Menge Gebiet.
„Schade,“ kommentiert Manfred und verließ den Balkon.
Celia sah ihm einen Moment ungläubig nach. War das wirklich Manfred? Hätte dieser ihr jetzt nicht eher einen Tipp gegeben, was sie machen könnte? So einfach zu verschwinden passte nicht zu ihm.
Mit einem Räuspern machte eine Dame in Grün auf sich aufmerksam: „Celia, ihre Zeit ist gleich abgelaufen.“
Panisch blickte Celia auf das Spielfeld und entschied sich spontan für eine Position. Dies tat sie noch drei Mal. Dann gab sie, außer Atem gekommen, auf.

Was für ein unfaires Spiel!
Sie hatte noch nie mit einer Zeitvorgabe gespielt und zudem wusste sie nicht mehr, wie das Spiel begonnen hatte. Niedergeschlagen sah sie zu, wie ihr Gegner vom Balkon verschwand und die weißen, sowie schwarzen Herren sich umsahen. Die Frau in Grün erklärte weiß zum Sieger und das Spiel für beendet.
Dann stürzte die Decke herab und Celia schrie auf. Staub rieselte überall auf die Männer, die Dame in Grün und sie herab. Hustend versuchte sie vom Geländer zurück zu weichen, doch es ging nicht. An ihren Armen waren schwarze Bänder befestigt, die sie am gehen hinderten.
Große Brocken der Decke krachten herab, ein Balken traf die grüne Dame.
Da hörte Celia auch über sich ein krachendes Geräusch. Sie schrie panisch auf und versuchte die Bänder von ihren Armen zu lösen.
Immer wieder huschte ihr Blick zur Decke hinauf, in der sich ein großer Riss ausbreitete.

„He sie!“
Celia schreckte auf und starrte die Frau in Einheitskleidung vor sich irritiert an.
Wo war sie?
„Dies hier ist die Endhaltestelle, sie müssen jetzt aussteigen.“ meinte die Frau höflich lächelnd und deutete auf ein Schild neben dem Bus.
Blinzelnd kehrte Celia in die Wirklichkeit zurück.
Sie war eingeschlafen!
Rasch klappte sie das Go-Buch in ihren Händen zu und verstaute es in ihrer Tasche.
„Tut mir leid, wissen sie wann der nächste Bus in die Gegenrichtung fährt?“
Sie war viel zu weit gefahren und nun würde sie zu spät zu ihrem Arzttermin kommen.
„Der fährt in dreißig Minuten dort drüben ab.“ erklärte die Busfahrerin freundlich und deutete aus dem Fenster auf ein Haltestellenschild.
Dreißig Minuten!
Da käme sie ja wirklich viel zu spät. Vielleicht sollte sie den Termin also lieber gleich absagen. Celia bedankte sich bei der netten Busfahrerin und verließ den Bus.
Was für ein verrückter Traum.

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