Der Weg einer Entscheidung Teil 20

Ein Simultanspiel verursachte irgendwie eine ganz besondere Atmosphäre bei allen Beteiligten. Die Luft prickelte vor Anspannung und Vorfreude. Es kam aber auch nicht alle Tage vor, dass eine solch bekannte Spielerin wie Ling in ihrer kleinen Stadt zu Besuch war.
Celia stand neben Aiden und knetete ziemlich nervös ihre Finger. Sie wusste gar nicht mehr so genau, warum sie eigentlich hier war. Aber jetzt war es zu spät um einfach wieder zu gehen. Denn das wäre ab jetzt sehr unhöflich gewesen und Celia wollte nicht unhöflich sein. Das änderte aber nichts daran, dass sie sich total fehl am Platze vor kam.
Leen war auch da und irritierte Celia damit, dass er so aussah, als würde er sich in einer ganz anderen Dimension befinden. Er hatte sie kurz begrüßt, weil Aiden auch gegrüßt hatte, aber Celia war sich nicht sicher, ob er wirklich mitbekommen hatte, wen er da gegrüßt hatte. Die Stimmung war teilweise ausgelassen, teilweise sehr angespannt, doch alle schienen sich auf das bevorstehende Ereignis zu freuen.
Aiden lächelte Celia ermutigend an, ehe er sich ein Getränk nahm und sich an einen der Tische setzte. Sie folgte ihm, denn sie wäre sich sonst noch verlorener vorgekommen. Ihre Knie zitterten leicht, als sie sich ihm gegenüber auf einen Stuhl setzte. Eigentlich wäre sie lieber stehen geblieben, aber dann wäre sie hier so aufgefallen.
Plötzlich stand Manfred neben ihr und legte ihr lächelnd eine Hand auf die Schulter.
„Schön das du gekommen bist Celia“ sagte er und nickte Aiden freundlich zu.
Vor Schreck war Celia zusammengezuckt, doch sie musste zugeben, dass sie die Hand auf ihrer Schulter und Manfreds stets ruhige Art wirklich beruhigten. Sie hatte den Mann einige Zeit nicht mehr gesehen, aber jetzt kam es ihr so vor, als sei es erst gestern gewesen, als sie zum ersten Mal bei ihm ins Café gegangen war. Aber wenn Manfred hier war, dann war womöglich auch Alan anwesend. Noch hatte sie ihn nicht gesehen und wenn es nach ihr ginge, dann hätte sie darauf auch gerne ganz verzichtet.
„Wir sehen uns später“ meinte Manfred „viel Saß dir heute.“
Dann verschwand er wieder, in der sich angeregt unterhaltenden, Menge. Celia hatte ja gar nicht gewusst, dass es so viele Menschen gab, die sich so sehr für Go interessierten. Im Vorfeld hatte es eine Art Flohmarkt und ein paar kleine Stände mit Go-Artikeln gegeben, doch sie hatte es kaum geschafft einen Blick auf all die interessanten Sachen zu werfen. Sie war einfach viel zu nervös und konnte darum auch kaum stillsitzen. Aiden hingegen schien sich einfach nur zu freuen eine solche Gelegenheit wie diese zu haben.
Vor drei Wochen erst hatten sie die Einladung bekommen und er hatte sie dazu überredet nicht gleich panisch abzusagen. Denn genau das hatte sie als erste Reaktion tun wollen.
Manfred war ein wenig stolz auf seine Leistung und froh, dass er durch Aiden eine Einladung an Celia übersenden konnte. Es wäre doch wirklich zu schade gewesen, wenn sie an diesem Tag nicht auch anwesend sein könnte. Mit auf den Rücken gelegten Händen ging er durch den Raum, kam jedoch wieder nicht weit, sondern musste hier und da einmal Händeschütteln. Ein paar alte Bekannte begrüßen, oder auch neue Leute kennenlernen. Wer hätte gedacht, dass diese kleine Veranstaltung so viele Leute anlocken würde?
Manfred hatte es sich ein bisschen anders vorgestellt, aber man konnte es wohl nicht ändern. Er freute sich ja für seine Leidenschaft, dass sie solches Interesse hervorrief. Scheinbar waren auch einige Leute anwesend, die bisher noch nie Go gespielt hatten. Sie ließen sich am dafür vorgesehenen Stand die Grundlagen erklären, dass sie den Spielen nachher auch ein wenig folgen konnten.
Manfred gelangte schließlich in den Raum nebenan, in dem alles für die Spiele vorbereitet wurde.
„Manfred, da bist du ja“ wurde er auch sogleich von seiner Bekannten begrüßt „Sind deine jungen Spieler auch alle gekommen?“
Ihre Stimme klang wie fast immer etwas eigentümlich und auf ihre Weise ein bisschen streng.
„Einer fehlt noch aber ich bin mir sicher, dass er noch rechtzeitig hier sein wird.“
Mit diesem einen meinte er Alan, der aus irgendeinem Grund noch nicht eingetroffen war. Hoffentlich war nichts passiert, denn die letzten Wochen hatten Manfred die Hoffnung geschenkt, dass der junge Mann wieder zurück war.

 

Fortsetzung folgt…

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