Der Weg einer Entscheidung Teil 28

Der Winter hatte ein Ende gefunden – endlich.
Warm und hell waren die Sonnenstrahlen, die in Manfreds Café fielen. Tatsächlich hatten ihn die Besuche von Celia und Aiden erfolgreich über den restlichen Winter gebracht. Sie hatten dabei keinen einzigen Go-Stein angerührt, denn das blieb weiterhin den Go-Abenden vorbehalten. Manfred fühlte sich fast ein bisschen schuldig, aber es tat ihm wirklich gut auch einmal ein anderes Spiel zu spielen. Vielleicht führte das dazu, dass er alles wieder mit mehr Ruhe und lockerer Gelassenheit sehen konnte. Er hatte das Gefühl, als würde sein Leben wieder weiter ausgreifen und sich neue Wege bahnen. Vielleicht lag das auch an den wechselnden Temperaturen und der freundlichen Sonne, aber es war ein gutes Gefühl.
Er hatte sogar begonnen wieder jeden Freitag Abend schwimmen zu gehen. Auf diese Idee hatte ihn ein alter Freund gebracht und es war sehr angenehm zuerst ein paar Runden zu schwimmen und sich danach faul auf das Sofa zu legen. Das Gefühl etwas für sich getan zu haben war eindeutig nicht zu unterschätzen. Außerdem war da noch diese Frau…
Vor einer Woche war sie das erste Mal im Café aufgetaucht. Ganz gewöhnlich und mit einer Freundin, die sie zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatte. Zuerst war das natürlich nichts besonderes gewesen, doch sie war am Tag darauf wieder da gewesen und auch am nächsten und übernächsten Tag. Sie kam immer, wenn sie es einrichten konnte und trank manchmal auch nur eine Tasse Kaffee. Dennoch begann Manfred jeden Tag auf sie zu warten, einfach weil es zu einer Gewohnheit wurde, dass sie kam. Wenn sie nicht auftauchte, dann vermisste er ihre Anwesenheit und ihr Lächeln. Er machte sich regelrecht Sorgen, wenn sie zwei Tage nicht vorbei schaute, doch sie kam immer wieder und wieder. Nein, sie spielte kein Go, hatte nicht einmal einen müden Blick für die Spieler übrig, doch lächelte sie ihn jedes Mal an.
Es war eine ungewohnte Situation, denn es war schon Jahre her, dass er sich zuletzt privat mit einer Frau unterhalten hatte, doch sprachen sie kaum ein Wort. Manchmal blieb sie so lange, bis er das Café schloss und ein paar Male ließ er etwas länger geöffnet, damit sie nicht gehen musste.

Aiden stupste Celia an und deutete verstohlen zu dem kleinen Tisch hinüber, an dem sie saß. Gerade bracht ein gut gelaunter und überaus strahlender Manfred einen Kaffee an ihren Tisch.
Calia nickte und grinste Aiden zu. Sie hatten da so ihre Vermutungen, was die Beiden betraf, aber weder Manfred noch die rothaarige Frau sagten besonders viel. Sie wusste schon, was eine Tasse Kaffee kostete und er schien viel zu sehr mit Lächeln beschäftigt um viel zu sagen. Allein ihre Anwesenheit bereitete ihm größte Glücksmomente.
Nachdenklich rührend sah sie Manfred hinterher, als er zum nächsten Tisch ging. Es wäre wirklich nötig mal etwas mehr zu ihm zu sagen, denn sicher könnten sie sich ganz gut unterhalten. Blieb nur das Problem, dass sie sich nicht traute ihn zu einem Kaffee einzuladen. Vielleicht mochte er ja gar keinen Kaffee mehr. Vielleicht fände er es doof in seinem eigenen Geschäft eingeladen zu werden. Oder aber, er hatte gar keine Lust sich mit ihr zu unterhalten und das wäre eine große Katastrophe.
Sicher unterhielt er sich lieber über dieses Spiel, dass die Leute hier immer wieder spielten. Aber sie hatte einfach keinen Sinn für diese Spiele. Es gab einiges, was sie mochte, aber so Dinge wie Schach, oder Kartenspiele und so etwas, gehörte einfach nicht dazu. Das Ganze erinnerte sie zu sehr an ihre Kindheit, in der man sie dazu gezwungen hatte mit ihrer Verwandtschaft solche Spiele zu spielen und…
Einmal hatte sie immer verloren, zum anderen hatten die anderen sie darum geärgert und dann war da noch ihr fieser Cousin, der sie zu hauen drohte. Jetzt war sie natürlich schon längst nicht mehr in dem Alter, in dem man sich von fiesen Cousins bedrohen ließ. Trotz alledem hatte sie einfach eine unsagbare Abneigung gegen diese Spiele, egal was es für welche waren. Wenn die Möglichkeit bestand, dass sie verlor, dann würde sie nicht einen Spielstein anrühren. So wie sie das mitbekam, war die Wahrscheinlichkeit zu verlieren bei diesem Spiel sehr, sehr, sehr hoch. Aber Manfred schien das zu ahnen, denn er hatte sie nicht ein einziges Mal gefragt, ob sie sich für dieses ‚Go‘ interessierte.

Fortsetzung folgt…

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