Der Weg einer Entscheidung Teil 29

Alan saß mal wieder in seinem Zimmer und unterzog seiner Wand einer eingehenden Betrachtung. Eigentlich gab es dort nichts Interessantes zu sehen, denn es handelte sich um eine handelsübliche Raufasertapete, wie sie wohl in tausenden Zimmern hing, allein in seiner unmittelbaren Umgebung würde dieser Satz wohl schon Geltung erlangen. Allerdings hingen Alans Gedanken auch nur zeitweise dem Muster der Tapete nach, viel öfter waren sie im Go verankert. Aus dem Winter war Frühling geworden, aus dem Frühling wiederum Sommer und nun neigte sich auch dieser dem Ende zu. Gerade zeigte der Sommer zwar noch einmal seine Muskeln – draußen war es drückend heiß – doch schon bald würde er seine Kraft verlieren und der bunte Herbst würde sein Vorrecht einfordern und die Blätter zum Fallen bringen. Auf Grund genau dieser Hitze saß Alan auch in seinem Zimmer, die letzten Tage war er oft schwimmen gewesen und hatte auch viel Freude daran gehabt, aber nun war es ihm schal geworden, sodass er im Zimmer saß und dem müßigen Nachdenken nachhing.

 

Seine Gedanken kreisten mal wieder um Go, in letzter Zeit hatte seine Obsession für dieses Spiel ein wenig nachgelassen, doch nun fragte er sich, wie es mit ihm und diesem faszinierenden Spiel weitergehen sollte. Er kam einfach nicht weiter, oft spielte er im Internet und es machte ihm auch noch Freude, vor allem natürlich wenn er gewann, aber immer öfter erwischte er sich dabei, wie er seine Rangstatistiken prüfte und davon träumte, dass sie die nächste Schwelle doch endlich überschreiten würden. Aber nein Partie für Partie, Tag für Tag, Monat für Monat, weigerte sich die Kurve einfach die kritische Hürde zu nehmen und so ihm den nächsten Rang zuzugestehen. Vor ein paar Monaten hatte er einst noch geträumt, alsbald schon ein Dan-Spieler zu sein, aber nun wünschte er sich nichts mehr, als dass er einen verdammten Kyu stärker würde. Aber nein nichts war, selbst dieses Ziel schien für ihn unerreichbar und so erwischte er sich immer öfter, wie er spielte und ihm das Ergebnis egal war. Das wäre noch nicht einmal das Schlimme an der Sache gewesen, denn nicht wenige Spieler freuten sich einfach an dem Spiel und schauten nur nebenbei auf ihren Rang, aber er verlor langsam auch die Freude an dem Spiel, denn wenn man immer nur auf der Stelle trat, machte sich erst Ehrgeiz breit, dann Resignation und am Ende Frust, aber der Frust drohte selbst seine große Leidenschaft zu töten, bis nichts mehr von ihr blieb und er dieses Spiel aufgab. Wohl hatte er auf eine schnelle Suche im Internet gelesen, dass dies ein nicht unbekanntes Phänomen unter Go-Spielern war, aber aller Rat – mehr zu spielen und sich Unterricht von im Internet recht bekannten Go-Spielern anzuschauen – war fruchtlos geblieben und hatte ihm nicht geholfen.

 

Heute nun hatte er, Alan, beschlossen ein Ausweg aus dieser Misere zu suchen und so hatte er sich in sein Zimmer vergraben, klar gemacht, dass niemand ihn stören sollte und begonnen nachzudenken. Aber so sehr er auch sich bemühte und sein Gehirn anstrengte, so weigerte es sich doch eine Lösung für sein Problem auszuspucken. Er wusste nur eins: So konnte es nicht weitergehen. Aber was tun, was sollte er bloß tun? Lustlos hatte er begonnen im Internet nach einer Antwort zu suchen, aber nicht erwartet wirklich etwas zu finden, aber was war das?! Nach geraumer Zeit erfolgloser Suche und erfolgloser Gedanken, eröffnete sich nun vor ihm etwas dass sich Chōwa Igo Dojo nannte, da er wusste, dass Igo nur der japanische Name für das Go-Spiel war, las er interessiert weiter. Nach kurzer Lektüre, stellte er fest, dass es sich um ein Go-Lehrer handelte, so weit war das vielleicht keine Überraschung, aber alsbald stellte er etwas fast, dass ihn sehr freute: Die Preise waren erträglich, viele Go-Lehrer verlangten – aus seiner Sicht – horrende Summen schon für eine einzelne Lehr-Partie hier aber erhielt er einen ganzen Monat Unterricht für einen ähnlichen Preis. Schnell machte er sein E-Mail Programm auf und begann zu tippen.

 

Fortsetzung folgt …

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